Two Horns/ The Horns/ The Horns Plus (Schweiz)
Europa bietet nicht nur in mediterranen Regionen spannende vokale und polyphone Klänge. In den Alpen ist das Jodeln und das Alphorn ein fester Bestandteil des Musiklebens. Lange Jahre irrtümlich als verstaubt und langweilig aus dem Interesse der internationalen Musikszene verschwunden, hat sich eine junge, spielfreudige Musikerszene in den Schweizer Bergen entwickelt, die die Grenzen der Klangwelten neu erforschen und keine Scheu haben die traditionellen Stile und Musiken mit Hilfe von neuen Arrangements, Spieltechniken und ungewöhnlichen Instrumentkombinationen einer Verjüngungskur zu unterziehen. Eines der experimentierfreudigsten Musikformationen sind die Two Horns/ The Horns/ The Horns Plus.
Two Horns (Paul Haag und Melanie Schliesser) nehmen den Zuhörer mit auf eine Reise in die Klangwelt der Natur- und Obertöne – eine sphärische Klangwelt, die fasziniert. Figuren aus der Bergwelt, nebulöse Wetterstimmungen, mystische Landschaftsbilder, archaische Rufmotive werden musikalisch aufgegriffen und zu Melodien verwebt. Man sieht gleichsam mit den Ohren. Two Horns beweisen: Im Dialog mit der Stimme kann auch ein Alphorn „Längizyt“ (Heimweh, Sehnsucht) bzw. den Blues haben und mit Drive und Groove jazzig improvisieren!
Die Musik der Two Horns entrückt uns in die Zeitlosigkeit, ohne die Tradition zu negieren und ohne den Bezug zur Gegenwart zu verlieren – urwüchsig und zeitlos schön.
Paul Haag begann 1956 in Basel mit dem klassischen Posaunenstudium, bevor er anschliessend in die Jazzmusik überwechselte. In der Basler Jazzszene erlangte er auch seine ersten Erfolge. Seit 1994 ist Paul Haag auch auf dem Alphorn und anderern Hirtenhörnern zu hören. Er erweist sich nicht nur als exzellenter Komponist und Arrangeur, sondern auch ein phänomenaler Alphornspieler. Seine solistischen Einlagen auf dem Alphorn fahren unter die Haut! Er arbeitet bei seiner Alphornmusik mit Hörnern verschiedener Stimmungen (z.B. F, Ges, G und As etc.), was als Alphornpolyphonie bezeichnet wird. Unser Ohr muss sich erst an die eigentümliche Klangart dieser Naturmusik gewöhnen. Die Naturtöne - so natürlich sie sind - kommen teils ziemlich schräg daher, sie mögen dem Zuhörer sogar als "falsch" erscheinen, weil sie von der uns vertrauten, wohltemperierten Tonskala abweichen.
Mit Alpine Experience ist Haag in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Italien und Australien aufgetreten. Beim zeitgenössischen Alphornquartett Mytha wirkte Paul Haag ebenfalls mit. Im Jahr 1998 gründete er die Alphornformationen The Horns zunächst als Quartett, welches zu einem Quintett erweitert wurde, das durch seine weiterentwickelten Alpenklänge einiges Aufsehen erregt hat. In kleiner Formation, dem Duo Two Horns setzt er seine musikalischen Experimente mit Melanie Schiesser fort.
Melanie Schiesser's musikalische Wurzeln liegen in der traditionellen Volksmusik des Glarnerlands. Zusammen mit ihren Schwestern trat Melanie ab 1983 in der Familienkapelle Echo vom Kammerstock an Schwyzerörgeli, Trompete und Piano in der ganzen Schweiz und im benachbarten Ausland auf und bestritt zahlreiche Radio-/TV-Sendungen.
Die Formation ist in der Ländlermusikszene bekannt für ihre Interpretationen von besonderer, spartenübergreifender Note.
Melanie trat zweimal in Japan auf, wo sie mit eigens dafür zusammen- gestellten Formationen spielte. Zur Musik von Melanie gehört bis heute auch Jodelgesang. Melanie's Vorliebe für Naturjodel sowie eine Begegnung mit renomierten Alphorn- und Büchelmusikern brachten sie 1990 dazu, das Spiel auf dem Büchel zu erlernen. Von der zeitgenössischen Alpenmusik angetan ist Melanie Schliesser die andere Hälfte der Two Horns.
In the erweiterten Formation unter der Leitung von Paul Haag spielen sie auch als The Horns (Quartett) und THE HORNS PLUS (Septett) - dann auch mit Hackbrett und Drums.
Text von Paul Haag aus der CD „Gäge de Strom / Upstream“ (2004):
„Machen Sie sich auf eines gefasst: Wir fallen musikalisch aus dem Rahmen und schwimmen dabei sprichwörtlich „gegen den Strom“!
Versuchen Sie nicht, uns in eine bestehende Musiksparte einzuordnen. In unsere Musik fliessen Jazz, Improvisation, Funk und Rap genauso ein wie Fragmente der traditionellen Volksmusik und Elemente der klassischen Musik. Öffnen Sie die Ohren, streifen Sie Vorurteile und Chlichées ab. Lassen Sie unsere Musik wie erfrischendes Bad auf sich einwirken. Tauchen Sie ab in die sphärische Klangwelt der Naturhörner und der Obertöne, insbesondere wenn sog. temperierte und untemperierte Instrumente zusammen spielen und das Ganze ungewohnt „schräg“ daher kommt (z.B. Lurnava, Gäge de Strom, Brassalp).
Lassen Sie sich von einem musikalischen Feuerwerk überraschen und von den funky-groovigen Rhythmen mitreisse. Gegen den Strom zu schwimmen, macht Spass! Viel Vergnügen beim Zuhören.“